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Die Aus- und Weiterbildungskommission hat im Berichtszeitraum zwei Sitzungen durchgeführt. Entsprechend ihrer Aufgabenstellung ist sie beratend in folgenden Bereichen tätig geworden: 1. Im Rahmen der Reform der ÄAppO wird das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) sich auf Initiative des Kommission dafür einsetzen, im GK 3 den Bereich "Chronische Schmerzen" als Querschnittsthematik abzubilden. 2. Die Empfehlung der BÄK, die "Allgemeinen Schmerztherapie" in jedes Gebiet mit klinischem Bezug aufzunehmen, ist bis dato nur von wenigen LÄK umgesetzt worden. Dies läßt sich z.T. auch auf der fehlenden Initiative der jeweiligen wissenschaftlichen Fachgesellschaften, denen ein Vorschlagsrecht für die Benennung von WB-Inhalten ihrer Gebiete zukommt, zurückführen. Nachdem diverse Anschreiben an die Präsidenten der Fachgesellschaften mit dem Angebot der diesbezüglichen Beratung durch die DGSS ohne wesentliche Resonanz geblieben sind, wurden von der Kommission Alternativen diskutiert. Ein möglicher Weg wäre die Integration von Zeitblöcken zur Allgemeinen Schmerztherapie in die Jahrestagungen der Fachgesellschaften. Hier besteht ein Kooperationsangebot mit der DIVS. 3. Die im Rahmen einer umfassenden Reform der Muster-Weiterbildungsordnung durch den Ärztetag 2000 in Aussicht gestellte Überführung der Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" in ein entsprechendes Modul findet nicht statt. Trotzdem hat die Aus- und Weiterbildungskommission tiefgreifende Änderungen in der Formulierung der Ausbildungsinhalte vorgeschlagen und diese auch an die Bundesärztekammer weitergeleitet. Kernpunkte sind: a) die Differenzierung der Weiterbildungsinhalte nach verschiedenen Gebieten wird verlassen, b) die Zahl der interventionellen Eingriffe wird drastisch verringert und c) eine Stärkung des interdisziplinären Konzeptes vorgenommen. Bezüglich der Anerkennung von Weiterbildungsstellen empfiehlt die Kommission die Ermöglichung einer Teilanerkennung für 6 Monate unter bestimmten Bedingungen. Die inhaltlichen Beratungen beginnen nach Auskunft der BÄK erst im September diesen Jahres. 4. In Anbetracht des bundesweiten Rückganges der Teilnehmer an den 80-Stunden Kurrikula zur "Speziellen Schmerztherapie" startet die Aus- und Weiterbildungskommission eine Umfrage. Der Fragebogen wird mit der Einladung zur Mitgliederversammlung verschickt und auch in die DGSS Homepage gestellt werden. Sowohl zur Qualitätssicherung als auch zur Schonung der Ressourcen aller Beteiligten erscheint es sinnvoll, eine bundesweite Koordination anstreben. Bitte beachten: Am Stand der DGSS auf der Jahrestagung gibt es eine Zusammenfassung der wesentlichen Vordrucke und Empfehlungen der AWK zum Mitnehmen. 
Nach der Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes wurde es notwendig, die Richtlinien für die Zusatzausbildung in psychologischer Schmerztherapie zu überarbeiten. Die Subkommission für psychologische Schmerztherapie hat in Abstimmung mit der Aus- und Weiterbildungskommission der DGSS und der Präsidium der Deutschen Gesellschaft für psychologische Schmerztherapie und -forschung (DGPSF) empfohlen, das bisher auf 150 Unterrichtsstunden zugeschnittene Curriculum auf nun 80 Unterrichtsstunden zu kürzen. Hierdurch wird die Zusatzausbildung formal an die Vorgaben der Zusatzausbildung für Ärzte zum Erwerb der Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" angeglichen. Die übrigen Kriterien für den Erwerb des Zertifikates psychologische Schmerztherapie wurden nur unwesentlich verändert. Informationen hierzu können hier und unter www.dgpsf.de/Ausb-Ord/ausb-ord.html eingesehen werden.
Mit der Einrichtung der universitären Ausbildung für Psychotherapeuten und der Akkreditierung von Ausbildungsinstituten hat die Subkommission für psychologische Schmerztherapie in Abstimmung mit dem Präsidium der DGPSF empfohlen, die bisher in Kooperation mit der Deutschen Psychologenakademie (DPA) organisierte Ausbildung in psychologischer Schmerztherapie in die eigene Verantwortung der Fachgesellschaften zu übernehmen. Aus diesem Grunde wurde die Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Psychologenakademie (DPA) zum 31.12.1999 aufgekündigt. Das Präsidiumsmitglied, Herr Prof. Dr. Sorgatz, wurde gebeten, die Ausbildung ab dem Jahr 2000 in Kooperation mit einem Psychotherapie-Ausbildungsinstitut zu organisieren. Informationen über die Ausbildungsangebote sind der folgenden Internetadresse zu entnehmen: www.dgpsf.de. Es werden allerdings auch weiterhin Veranstaltungen qualifizierter Anbieter anerkannt - vorausgesetzt, sie stimmen mit den inhaltlichen Vorgaben des Curriculums überein.
Inzwischen wurde das Präsidium der DGSS vom Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen darum gebeten, Informationen für ein vom Sachverständigenrat zu erstellendes "Gutachten zur Entwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung" aus der Sicht der Schmerztherapie beizusteuern. Ziel der Befragung ist "die Feststellung von Bereichen mit möglicher Über-, Unter- und Fehlversorgung im Gesundheitswesen". Die Subkommission für psychologische Schmerztherapie hat eine Stellungnahme aus der Sicht der psychologischen Schmerztherapie erarbeitet und sie dem Präsidium der DGSS mit der Bitte überreicht, die hierin enthaltenen Gedanken bei der Beantwortung des Schreibens des Sachverständigenrates zu berücksichtigen. Diese Stellungnahme ist nachfolgend wiedergegeben:
Fehl- und Überversorgung Die Subkommission psychologische Schmerztherapie sieht eine Fehlversorgung chronisch Schmerzkranker in der im Regelfall monodisziplinär durchgeführten Behandlung - unabhängig davon, ob sie durch ärztliche oder psychologische Spezialisten durchgeführt wird. Chronischer Schmerz ist unabhängig von dessen Ursache aufgrund der damit verbundenen psychischen und sozialen Konsequenzen am erfolgreichsten durch ein multidisziplinäres Behandlungskonzept unter Einschluß ärztlicher und psychologischer Experten zu behandeln. Eine Überversorgung besteht in der sequentiellen Behandlung chronischer Schmerzpatienten durch unterschiedliche Disziplinen, die der Prävention und Therapie chronischer Schmerzproblem nicht angemessen ist.
Die im Bereich der Schmerztherapie engagierten wissenschaftlichen Fachgesellschaften haben Empfehlungen zur interdisziplinären Kooperation erarbeitet. Durch diese Kriterien wird eindeutig festgelegt, daß psychosoziale Faktoren grundsätzlich bei der Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzpatienten zu berücksichtigen sind und daß diese Aufgabe am besten durch speziell hierfür ausgebildete Diplompsychologen geleistet werden kann. So heißt es in einer Publikation der International Association for the Study of Pain (IASP) zu diesem Thema: "Es besteht eine allgemeine Übereinkunft darüber, daß ein multidisziplinärer Ansatz für die meisten Schmerzpatienten der geeignete ist; dies bedeutet gewöhnlich, als minimale Voraussetzung, einen Arzt und einen Psychologen" (Fields, 1991, übersetzt vom Verfasser). Diese Aussage bezieht sich auf eine Expertise, die der Neurochirurg Professor Loeser als Leiter einer Arbeitsgruppe für die IASP erarbeitet hat (Loeser, 1991). Als Ergebnis einer internationalen Konsensuskonferenz zu Standards in der Schmerztherapie unter der Schirmherrschaft des SCHMERZtherapeutischen Kolloquiums wurde erneut auf die Bedeutung der Integration psychologischer Kompetenz in das interdisziplinäre Behandlungsteam hingewiesen: "Als Konsequenz der oben gegebenen Empfehlungen sollten Psychologen in jeder Einheit zur Schmerzbehandlung verfügbar sein" (Übersetzung vom Verfasser, vgl. Müller-Schwefe, 1998).
Sachlich begründet ist diese Empfehlung durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, in denen bei chronischen Schmerzpatienten eine Überlegenheit multidisziplinärer Ansätze über monodisziplinäre Therapieverfahren nachgewiesen wurde (Flor et al., 1992; Hildebrandt & Pfingsten, 1995; Basler und Turk, 1997). In einer Metaanalyse vorliegender Arbeiten kommen Turk und Okifuji (1996) zu dem Ergebnis, daß multidisziplinäre Ansätze sich langfristig neben einer erhöhten Effektivität auch als kostengünstiger im Vergleich zu monodisziplinären Ansätzen erweisen. Eine Vielzahl kontrollierter Studien einschließlich bereits vorliegende Metaanalysen belegen die Wirksamkeit psychologischer Therapieverfahren bei chronischem Schmerz (Basler et al., 1997; Jäkle und Basler, 2000; Keller et al. 1997, Morley, Eccleston & Williams,1999).
Im gesamten Bundesgebiet werden psychotherapeutische Leistungen in der Regel jedoch durch Psychotherapeuten erbracht, die nicht über eine in diesem Sinne spezielle Qualifikation verfügen und sich selbst zu ca. 60% dafür als wenig qualifiziert einschätzen. Statt einer von der DGSS geforderten Ausbildung im Umfang von mindestens 80 Theoriestunden werden in den akkreditierten Ausbildungseinrichtungen für Psychotherapie in der Regel weniger als 20 Stunden "Psychologische Schmerztherapie" angeboten. Dies hat zur Konsequenz, daß ein Großteil der Schmerzpatienten mit Störungs- und Therapiekonzepten behandelt werden, die vorwiegend für Angst- und affektive Störungen entwickelt wurden und wenig Bezug auf schmerzspezifische Verursachungskonzepte bzw. Verhaltens- und Denkmuster nehmen. Dies muß als wirtschaftlich ungünstigere Alternative angesehen werden, zumal bessere Behandlungsmethoden gleichen Kostenrahmens zur Verfügung stehen.
Bedarf Der Bedarf an einer speziellen psychologischen Schmerztherapie ist zur Zeit nur näherungsweise bestimmbar. Von den bundesweit ca. 5 Millionen chronischen Schmerzpatienten bedürfen ca. 400.000 einer besonderen schmerztherapeutischen Behandlung; nach Erfahrungen aus Schmerzkliniken davon ca. 100.000 auch einer intensiven psychologischen Schmerztherapie. Ihnen stehen je nach Quelle nur 50 (DGSS/STK-Schmerzführer, 1996) bis ca. 156 (Anerkennungsliste der DGSS, 2000) speziell ausgebildete Psychologische Schmerztherapeuten gegenüber, die sich zudem auf wenige Regionen verteilen. Diese könnten bei maximaler Auslastung jährlich ca. 12.000 Schmerzpatienten mit je 25 Stunden Psychologischer Schmerztherapie versorgen.
Empfehlungen 1) Verstärkung des schmerzspezifischen Anteils in den Ausbildungsordnungen der Länder für Psychotherapeuten auf 80 Unterrichtsstunden. [vgl. "Core Curriculum for Professional Education in Pain" (Fields, 1991), DGSS/DGPSF Ausbildungsordnung "Psychologische Schmerztherapie"].
2) Schaffung eines speziellen Titels "Psychologische Schmerztherapie" nach einer Zusatzausbildung.
3) Umsetzung des national und international erzielten Konsensus in die Praxis der Versorgung, nämlich ca. 100.000 Schmerzpatienten jährlich einer interdisziplinären Behandlung unter Einschluß von speziell hierfür ausgebildeten psychologischen Psychotherapeuten zuzuführen.
Durch 1) könnte das Angebot erst nach längerer Zeit (ca. 10-15 Jahre) verbessert werden, sobald dementsprechend ausgebildete Nachrücker den zur Zeit gesättigten Niederlassungssektor belegen können. Durch 2) könnte eine kurzzeitige Verbesserung der Versorgung innerhalb der nächsten 5 Jahre erreicht werden. Wenn jährlich 200 bereits zugelassene Psychotherapeuten die Zusatzqualifikation anstrebten, könnte innerhalb von 5 Jahren der Bedarf an spezieller Psychologischer Schmerztherapie weitgehend gedeckt sein.
Quellenangaben Basler, H.D., Jäkle, C. & Kröner-Herwig, B. (1997). Incorporation of cognitive-behavioral treatment into the medical care of chronic low back patients: a controlled randomized study in German pain treatment centers. Patient Education and Counseling, 31, 113-124.
Basler, H.D. & Turk, D.C. (1997). Brauchen wir multidisziplinäre Schmerzzentren? Psychomed, 9, 21 - 25.
Fields, H. L. (Ed.). (1991). Core curriculum for professional education in pain. Seattle: IASP Publications.
Flor, H., Fydrich, T. & Turk, D. C. (1992). Efficacy of multidisciplinary pain treatment centers: a meta-analytic review. Pain, 49, 221-230.
Hildebrandt, J., Pfingsten, M. (1995). Organisation und Leistungsvermögen von Schmerzambulanzen. Onkologie, 1, 343 - 351.
Jäkle, C. & Basler, H.D. (2000). Veränderung von Kognitionen in der psychologischen Schmerztherapie - Eine Metaanalyse zum kognitiv-behavioralen Modell. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 29, 127 - 139.
Keller, S., Ehrhardt-Schmelzer, S., Herda, C., Schmid, S. & Basler, H.D. (1997). Multidisciplinary rehabilitation for chronic low back pain in an outpatient setting: a controlled randomized trial. European Journal of Pain, 1, 279-292.
Loeser, J. D. (1991). Desirable chracteristics for pain treatment facilities: report of the IASP taskforce. In M. R. Bond, J. E. Charlton & C. J. Woolf (Eds.), Proceedings of the VIth world congress on pain (Pain research and clinical management, Vol. 4, pp. 411-415). Amsterdam: Elsevier. Morley, St., Ecclestone, Ch. & Williams, A. (1999). Systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials of cognitive behaviour therapy for chronic pain in adults, excluding headache. Pain, 80, 1-13
Müller-Schwefe, G. (1998). Der Frankfurter Konsensus. Schmerztherapeutisches Kolloquium, 14/2, 2 - 4.
Turk, D.C., Okifuji, A. (1996): Multidisciplinary approach to pain management: philosophy, operations, and Efficacy. In: Ashburn, M.A., Rice, L.J. (Ed.): The Management of Pain, pp 257 - 274. Baltimore, MD: Churchill Livingston.
Prof. Basler (Marburg) 25.8.00

Die Fortbildungskommission hat sich zweimal getroffen, nämlich zu ihrer konstituierenden Sitzung am 25.2.2000 in München und am 28.7.2000 in Frankfurt.
Beim ersten Treffen stand der Bericht der alten Fortbildungskommission im Vorrdergrund.
Es waren 60 Anträge eingegangen, wissenschaftliche Veranstaltungen in Kooperation mit der DGSS durchzuführen, allen konnte entsprochen werden. Die Frage der künftigen Wertigkeit des "Algesiologen DGSS" wurde erörtert. Es herrschte Übereinstimmung darüber, daß es weiterhin eine verbandsinterne, hochqualifizierte Anerkennung geben sollte. Für diejenigen Bunderländer, die keine Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" einführen, kann das Algesiologiezertifikat der DGSS eine vergleichbare Anerkennung sein. Bis zur möglichen Wiederaufnahme einer Kooperation mit dem StK wird es allerdings zwei getrennte Zertifikate von DGSS und StK geben. In ihrer zweiten Sitzung am 28.7.2000 hat sich die Kommission vor allem mit der Präzisierung von Anforderungen an Schmerzkonferenzen, Teilnahmebescheinigungen und Neuanträgen zum Algesiologiezertifikat befaßt.. Die Änderungsvorschläge wurden für die Arbeitsunterlagen für die Mitgliederversammlung 2000 erarbeitet und sind auf dieser Homepage wiedergegeben; sie werdem ab dem 1.1.2001 in Kraft treten.
Auch die Antragsunterlagen auf Anerkennung als Algesiologe DGSS wurden aktualisiert.
Bis zum 15.8.2000 wurden 41 Anträge bearbeitet, wissenschaftliche Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der DGSS durchzuführen; eine Anerkennung mußte aus fachlichen Gründen versagt werden, ein Antrag kam zu spät. Bis zum Redaktionsschluß wurden aufgrund von 60 Anträgen 50 Verlängerungurkunden zum Algesiologiezertifikat DGSS ausgestellt. Insgesamt wurden 16 Neuanträge bearbeitet.
Dr. Antje Beyer (München) |