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Der Deutsche Schmerzfragebogen wurde durch die Ad-hoc-Kommission der DGSS (Gockel, Korb, Lindena, Maier, Nagel, Pfingsten, Radbruch) grundlegend überarbeitet und eine neue Version auf dem Schmerzkongress in Münster 2003 vorgestellt. Der Präsentation wohnten ca. 100 Zuhörer bei. Die ersten Rückmeldungen auf den deutlich kürzeren und praktikableren Fragebogen waren durchweg positiv.
Noch während des Kongresses vereinbarten die Präsidenten der beiden Schmerzgesellschaften DGSS und STK-DGS (Prof. Zenz und Dr. Müller-Schwefe), das Ziel, einen von beiden Gesellschaften getragenen, gemeinsamen deutschen Fragebogen zu entwickeln. Daraufhin wurde eine Kommission gebildet aus Vertretern der DGSS (M. Pfingsten, B. Nagel) und des STK-DGS (H. Seemann, O. Emrich). Diese neue Kommission hat sich im letzten Jahr mehrfach in Frankfurt getroffen und in sehr konsequenter, ergebnis-orientierter und kooperativer Art und Weise einen Vorschlag für den gemeinsamen Deutschen Schmerzfragebogen (DSF) erarbeitet. Der neue Vorschlag berücksichtigt die Inhalte beider vorliegender Fragebogen-Ausgangsversionen (von DGSS und STK-DGS) in optimaler Weise. Grundkonzept ist ein Basisfragebogen, der durch bereits vorhandene und auch neue Module erweitert werden kann.
Der Basisfragebogen enthält auf 10 Seiten nur noch 43 Items. Die Schmerzzeichnung wird aus der Vorlage der STK-DGS entnommen. Die Schmerzbeschreibung orientiert sich im wesentlichen an den Vorlagen der DGSS. Die Erfassung der subjektiven Schmerzintensität erfolgt nun mittels visueller Analog-Skala mit zusätzlich hinterlegten Zahlen von 1-10, die Berechnung der v.Korff-Graduierung ist aus den Angaben weiterhin möglich.
Der Basisfragebogen enthält weiterhin eine Liste vorbehandelnder Therapeuten (nach Fachdisziplin geordnet) sowie eine erweiterte Behandlungsliste. Weitere Krankheiten und Risikofaktoren werden in einer kurzen Liste als Überblick aufgeführt, können aber auch vollständig als zusätzliches Modul mit Angabe der dadurch erlebten Beeinträchtigung erfasst werden. Die Fragen zur beruflichen und sozialrechtlichen Situation (inkl. Rentenstatus) wurden erheblich gekürzt. Als Screening-Verfahren zur Erfassung der Depressivität ist die HADS vorgesehen; zusätzlich wurde eine Frage zur Suizidalität aufgenommen. Zur Erfassung der Schmerzqualität wurde wieder auf die SES in der Ursprungsversion zurückgegriffen; diese wurde jedoch zur Verbesserung der differenzialdiagnostischen Eigenschaften für Kopfschmerzsyndrome um 4 Items erweitert, die im Anschluß an die SES aufgeführt sind. Zusätzlich ist eine aus der STK-DGS-Vorlage stammende Befindlichkeitsliste integriert, die gute statistische Kennwerte besitzt und die Erfassung des kognitiv-emotionalen Erlebens-Spektrums bereichert. Den Schluß des Basis-Fragebogens bildet eine Status-Erfassung der Befindlichkeit, in der Allgemeinbefinden, Schlafqualität, Stimmung, Beeinträchtigungserleben, Kontrollfähigkeit und Ausmaß zusätzlicher (psychovegetativer) Beschwerden (auch Medikamenten-NW) in 7 Items abgefragt werden. Grundlage ist die in der Praxis bewährte Vorlage aus dem STK-DGS-Bogen. Diese Status-Messung ist geeignet, in definierten Zeiträumen als kurze Verlaufserfassung eingesetzt zu werden, sie berührt jedoch nicht die Schaffung eines ausführlicheren Verlaufs-Fragebogens. Da die entsprechenden Angaben bei niedergelassenen Ärzten durch die Chip-Karte erfasst werden (und daher nicht im Basis-Fragebogen enthalten sein müssen), bilden biographische und versicherungstechnische Angaben ein Extra-Modul. Namen und Adressen vorbehandelnder Ärzte und Institutionen sind ebenfalls in einem Extra-Modul darstellbar; dieses enthält zusätzlich eine vorformulierte Schweigepflichtsentbindung. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität kann mittels SF12 ebenfalls als Extra-Modul erfasst werden; gleiches gilt für die ausführliche KoMorbiditätsliste (s.o.). Der Fragebogen soll sowohl im Format DinA4 als auch im Format DinA5 vorliegen.
Eine endgültige Zustimmung beider Schmerzgesellschaften bzw. die offizielle Verabschiedung eines Deutschen Schmerzfragebogens gemäß der vorliegenden Version liegt derzeit noch nicht vor, diese wird in den Gremien momentan diskutiert.
Perspektive: Es werden weiterhin Vorschläge für modulare Erweiterungen geprüft, um die differenzialdiagnostischen Eigenschaften des Fragebogens für große Diagnosegruppen (Kopfschmerz, Rückenschmerz, neuropathischer Schmerz, viszeraler Schmerz) zu verbessern. Vorschläge zum Layout sollen über eine professionelle Agentur eingeholt werden. Nach Beauftragung durch die Gesellschaften wird die Arbeitsgruppe (ggf. erweitert um Mitglieder der Ursprungs-Ad-hoc-Kommission) einen an die neue Fassung adaptierten Veränderungsfragebogen entwickeln. Es wäre wünschenswert, wenn die neue Version des Deutschen Schmerzfragebogens in einer (möglichst von extern geführten) Studie validiert werden könnte.
Die durchgängige Verwendung des Fragebogens in allen schmerztherapeutischen Einrichtungen wird unser Wissen über Patienten-Merkmale und die Wirksamkeit von diagnostischen und therapeutischen Interventionen noch weiter verbessern - ein wichtiger Baustein zur Qualitätssicherung in der Schmerztherapie. Nur auf einer solchen Datenbasis lassen sich gesicherte Standards und Leitlinien entwickeln. Die Schaffung des einheitlichen Deutschen Schmerzfragebogens (DSF) kann daher als ein Meilenstein in der Geschichte der Schmerztherapie in Deutschland angesehen werden.
M. Pfingsten u. B. Nagel
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