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09.09.2010

Der Arbeitskreis traf sich im Jahre 2006 zweimal, und zwar am 28.1.06 sowie am 1.7.06 in Mainz (DRK-Schmerz-Zentrum). In der Sitzung am 1.7. wurden Herr Hugger und Frau Sommer als Sprecher des Arbeitskreises wiedergewählt.

Folgende Themen wurden in den beiden Sitzungen des Arbeitskreises behandelt:

Ergebnisse der Auswertung eines Schmerzfragebogens (Daubländer/Jürgens)
Frau Daubländer stellte Ergebnisse einer retrospektiven Studie an 360 Patienten mit CMD vor, die auf dem letzten Schmerzkongress der DGSS als Poster vorgestellt wurde. Evaluiert wurden die Veränderungen von psychischen und somatischen Variablen. Es zeigten sich statistisch signifikante Reduktionen der Beschwerden bei einem geringen Behandlungsaufwand (Aufklärung und Monoblock).

Pathophysiologie des Mundbrennens (Sommer)
Frau Sommer beschrieb die Facetten dieses Krankheitsbildes: Prävalenz 4% in der Bevölkerung, Frauen häufiger betroffen als Männer, Erkrankungsdauer im Schnitt 2-3 Jahre unter der Behandlung. Vielfältige Ursachen wurden dargelegt wie Xerostomie, Pilzinfektion, Allergien, Diabetes, Vitamin-B-Mangel, Medikamenteneinnahme, Reflux-Oesephagitis, Protheseninsuffizienz, Parafunktionen, hormonelle Veränderungen, Schleimhautirritationen durch Mundwasser, Depressionen, idiopathisch, Neuropathie. Allgemein wird das primäre und das sekundäre Mundbrennen (Burning mouth syndrome) unterschieden. Der Rezeptor für Capsaicin, TRP-V, scheint verschiedene Zustände zu haben, die unterschiedlich empfänglich für das Brennen sein können. Capsaicin in größeren Mengen desensibilisiert diese Rezeptoren. Eine italienischen Studie mit oral verabreichtem Capsaicin wurde vorgestellt, wobei trotz starker Nebenwirkungen eine deutliche Reduktion des Mundbrennens erzielt wurde. In einer Studie von Gremeau-Richard et al. (erschienen in PAIN) konnte unter Einnahme von Clonazepam ebenfalls eine Reduktion des Mundbrennens erreicht werden. Vermehrte GABA-A Rezeptoren bei Frauen, Stress, Angst, Menopause und hohes Alter könnten positiv auf Benzodiapine reagieren. Psychische Co-Faktoren und Co-Morbidität werden diskutiert. Nach neuen Studien werden lokal-neuropathische und zentrale neuronale Veränderung als Ursache für Mundbrennen vermutet.

Aktualisierung der diagnostischen Empfehlungen bei Schmerzen im Bereich der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke (Türp)

Die Ausarbeitung wurde zur Veröffentlichung an die Zeitschrift „Der Schmerz“ übersandt. Nach Begutachtung wurde sie zur Veröffentlichung angenommen und ist Ende 2006 in Druckform erschienen.

Schmerzzeichnung bei Gesichtsschmerzen (Sommer)

Das Manuskript für die Zeitschrift „Der Schmerz“ wurde fertiggestellt, eingereicht und zur Veröffentlichung angenommen. Im Druck ist der Beitrag Ende 2006 erschienen.

Therapieempfehlungen zur Myalgie der Kaumuskulatur und Arthralgie der Kiefergelenke (Schindler/ Hugger)
Ausarbeitungen zu Therapieempfehlungen zum myofaszialen Schmerz der Kaumuskulatur und zur Arthralgie/aktivierten Arthrose der Kiefergelenke wurden vorgestellt und diskutiert. Die Festlegung der Therapieziele sowie die Unterscheidung zwischen externer und interner Evidenz wurden besonders thematisiert; die genannten Aspekte haben in den beiden Therapieempfehlungen eine besondere Berücksichtigung erfahren. Der Arbeitskreis begrüßte ausdrücklich die geleistete intensive Arbeit bei der Aufstellung der Therapieempfehlungen als Orientierungshilfe bei der Behandlung bestimmter Erkrankungsformen – nicht zuletzt auch als sinnvolle und folgerichtige Ergänzung zu den bereits publizierten und nunmehr aktualisierten diagnostischen Empfehlungen bei Schmerzen im Bereich der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke. Die Manuskripte beider Therapieempfehlungen wurden bei der Zeitschrift „Der Schmerz“ eingereicht und sind Ende 2006 zur Veröffentlichung angenommen worden.

Aktuelle Buchveröffentlichung mit Beiträgen von Mitgliedern des Arbeitskreises
- Hugger, Göbel, Schilgen (Hrsg.) Gesichts- und Kopfschmerzen aus interdisziplinärer Sicht. Springer-Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-23052-1.

Jenseits von Medline – elektronische Datenbanken für erweiterte Literaturrecherche: Cochrane, MedPilot, Trip (Türp)
Herr Türp gab wichtige Informationen zu den Datenbanken MedPilot, Cochrane Library und Trip. Er stellte ferner eine aktuelle Übersicht über EbM-Informationsquellen im Internet zur Verfügung. Die hochwertige Datenbank „Cochrane-Library“ ist kostenpflichtig und bei Mitgliedschaft im EBM-Netzwerk kostenfrei nutzbar (www.ebm-netzwerk.de).

Antizipative Verhaltenssteuerung unter besonderer Berücksichtigung des Schmerzes (Freiwald)

Herr Freiwald erläuterte die Fragestellung, ob die Veränderungen von biomechanischen Merkmalen auf Störungen der sensiblen Afferenzen zurückzuführen oder nur der Ausdruck von Freiheitsgraden bei motorischen Abläufen sind. Er ging auf die Ursachen für die veränderte Sensomotorik ein und zog daraus Konsequenzen für die Rehabilitation, insbesondere beim Leistungssport. Nach seinen Forschungsergebnissen können Muskeln die Gelenke nicht ohne Weiteres entlasten. Es ist die neuromuskuläre Umprogrammierung der Bewegungsabläufe, die gestörte Gelenke schonen und so zu einer Rehabilitation führen. Umbau und Regenerationsprozesse führen ständig zu veränderten sensorischen Einflüssen durch mechanische und metabolische Veränderungen und werden automatisch in die Motorik eingebaut. Bewegungen sind immer subjektiv konstruiert, antizipativ und als Einheit von Bewegung und Wahrnehmung zu analysieren. Veränderungen der Bewegungsmuster nach Operationen und Unfällen sind durchaus sinnvoll und erwünscht. Oft entspricht die wahrgenommene Beanspruchbarkeit der Strukturen nach OPs allerdings nicht der objektiven Belastbarkeit. Hier findet eine starke Beeinflussung der Bewegungsstrukturen durch psychosoziale Prozesse statt. Es sollten daher immer individuelle Anforderungen und Ziele des Patienten berücksichtigt werden; Normwerte sind nicht sinnvoll.

Kopfschmerz und Psyche – die Bedeutung situativer und dispositioneller Belastungsfaktoren (Nilges)

Nach einem historischen Überblick über die möglichen Ursachen von Kopfschmerzen wurde auf die Vielzahl der psychologischen Faktoren bei Kopfschmerzen hingewiesen. Aufgrund der hohen Prävalenz in der Bevölkerung stellt sich die Frage: Sind Kopfschmerzen ein normales Phänomen? Entscheidend sind häufig nicht das Vorkommen oder die Intensität der Schmerzen, sondern vielmehr die daraus resultierende Beeinträchtigung und Lebenszufriedenheit. Eine Unterscheidung in körperliche und psychische Ursachen kann aufgrund neuerer Erkenntnisse nicht mehr gemacht werden, denn es gibt keine psychischen Abläufe ohne biochemische Korrelate. Bei der Behandlung von Kopfschmerzen sind medikamentöse und psychologische Verfahren in ihrer Wertigkeit gleich einzuordnen. In der Verhaltenstherapie wird ein Stufenkonzept empfohlen mit Berücksichtigung der Komorbiditäten wie Depression, Angst u.a. Sehr wichtig ist die entkatastrophisierende Einwirkung des Therapeuten und der Relativierung der Befunde. Der Schwerpunkt wird hier auf die perpetuierenden Faktoren gelegt und weniger auf die Ätiopathogenese. Dem Patient sollte die biopsychosoziale Dimension des Krankheitsgeschehens dargelegt werden; alte Vorstellungen von Schmerzpersönlichkeiten können nicht mehr aufrechterhalten werden.

Der kardiogene Zahnschmerz – Ergebnisse einer systematischen Literaturrecherche (Türp)
Obwohl die meisten deutsch- und englischsprachigen Lehrbücher der Kardiologie erwähnen, dass myokardialer Ischämieschmerz auch in die Kiefer und deren Zähne ausstrahlen kann, sind die Angaben vage. Auch sind keine zusammenfassenden Informationen über Patientencharakteristika und vornehmlich betroffene orofaziale Strukturen vorhanden. Herr Türp stellte die Ergebnisse einer systematischen Übersichtsarbeit dar, deren Ziel es war, alle relevanten Fallbeschreibungen, die bis Dezember 2005 publiziert wurden, zu finden und auszuwerten. Insgesamt konnten 16 relevante Artikel identifiziert werden, die 28 Fallbeschreibungen beinhalten. Die meisten Patienten waren älter als 55 Jahre. Männer (n=16) waren fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen. In 12 Fällen gaben die Patienten ausschließlich Schmerzen der orofazialen Strukturen an. Die übrigen 16 Patienten litten darüber hinaus an Brust-, Arm- oder Schulterschmerzen. Bei 10 Patienten manifestierte sich der kardialer Schmerz in den Zähnen des Ober- oder Unterkiefers (Canini, Prämolaren, Molaren). Die systematische Übersicht zeigt, dass (1) kardiogener Schmerz in beiden Kiefer und sowohl in der linken als auch in der rechten Kieferhälfte vorkommen kann, (2) er isoliert in der Kieferregion auftreten kann; (3) vor allem die Seitenzähne betroffen sind, wenn sich kardiogener Zahnschmerz manifestiert.



 
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