
Der AK Neuromodulation der DGSS hat Im Jahre 2004 die Initiative ergriffen und es sich zur Aufgabe gemacht, Daten zur Situation der neuromodulativen Verfahren in Deutschland zu sammeln, um damit Grundlagen zu schaffen für die Überarbeitung der eigenen Leitlinien und zur Einführung eines Qualitätsmanagements.
Da keine entsprechenden Programme verfügbar waren, wurde in Zusammenarbeit mit der Kommission für externe Qualitätssicherung der DGSS ein eigenes internetbasiertes Qualitätssicherungsprogramm erarbeitet. Mit der Inbetriebnahme im Jahre 2006 erfolgte im Rahmen eines Pilotversuches eine erste praktische Erprobung zur Prüfung der Funktionsfähigkeit im Alltag.
Datenanalyse:
Zur Analyse der per Internet auf dem Server eingegangenen Daten wurden dieselben in Exeltabellen abgebildet. Da die Datensätze zum Teil unvollständig bzw. .lückenhaft waren, wurde im Rahmen der Pilotstudie für jeden Parameter eine prozentuale Verteilung seiner Veränderungen bezogen auf die Gesamtzahl der eingegebenen Einzelwerte angegeben.
Patientengut: Bislang wurden für 81 Patienten 391 Einträge von 8 teilnehmenden Zentren eingeben. 58 % der chronischen Schmerzpatienten waren weiblichen Geschlechts.
Die Altersverteilung reicht von 23 bis 85 Jahre, wobei der Anteil der 40, 50 und 70 Jährigen etwa gleich groß war. Bis auf 24 (19%) Patienten hatten alle übrigen bereits verschiedenste operative Eingriffe in Zusammenhang mit ihrer Schmerzkrankheit erfahren. Bandscheibenoperationen, Spondylodesen, orthopädische Eingriffe am Skelettsystem wurden häufiger(> 50%), Neurolysen (3%) seltener genannt.
Dementsprechend wurde Physiotherapie(23%)und Physikalische(18%) Therapie besonders häufig verordnet. Seltener(je 8%) profitierten diese Patienten von einer medikamentösen Schmerztherapie(WHOIII > 60%), einer Periduralanästhesie oder Akupunktur –Behandlung. Vereinzelt (3%)kamen Sympathikusblockaden, Chirotherapie oder TENS zum Einsatz. Eine psychologische Betreuung war bei 2 Patienten erforderlich (2%). Je drei Patienten wurden bereits mit einem SCS – System bzw. einer intrathekalen Pumpe behandelt.
Aufnahmediagnose
Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen waren mit 30 % der häufigste Anlass für den Einsatz eines neuromodulativen Verfahrens. Die zweithäufigste Indikation waren Patienten mit Postnucleotomie-syndrom(17%) und Patienten mit neuropathischen Schmerzen nach Nervenverletzungen (13%). Auch die klassischen Indikationen wie - CRPS I (6%) und Paraspastik (7%) waren angemessen vertreten. In Einzelfällen wurden Patienten mit Phantomschmerz, einer spastischen Cerebralparese, einer Postzosterneuralgie oder einem CRPS II behandelt.
Technisches Vorgehen
Ingesamt wurden seit dem Beginn der Beobachtung im Jahre 2006 41 (> 50%) SCS Vollimplantate , 10 (8%) SCS- Halbimplantate, 15 (20 %) Gasgetriebene Pumpen sowie 15(20%) elektrische Pumpen implantiert. In dem gleichen Zeitraum erfolgten unter Berücksichtigung der o.g. Implantationen insgesamt 114 Interventionen, wobei in 23 Fällen (26%) ein Geräte oder Elektroden - bzw. Katheterwechsel oder eine Pumpenrevision erforderlich wurde. Eine zweite Elektrode war in einem Fall angezeigt. Häufigster Anlass für Revision war ein Elektrodendefekt bzw. eine Geräteerschöpfung. Einmalige Ereignisse waren Infektion, unzureichender Therapieeffekt oder schmerzauslösende Hirnhautreizungen.
Die Pumpenimplantationen wurden überwiegend in Narkose durchgeführt, während der Einbau der Neurostimulationssysteme in Lokalanästhesie unter Sedierung erfolgte.
Zwei Drittel der elektrischen oder gasgetriebenen Pumpen wurden mit Morphin gefüllt, ein drittel zumeist mit Baclofen zur Behandlung der spastischen Patienten. In Einzelfällen kamen auch Lokalanästhetika und Clonidin zur Suplementierung zum Einsatz.
Ergebnisse
Nahezu 60 % der Patienten (n= 48) benötigten in der Postimplantationsphase keine weitere Medikation und waren mit der Schmerzreduktion sehr zufrieden. Nur 3 (4%) Patienten benötigten für ihr Wohlbefinden eine Comedikation. Bei einem Drittel war eine Physio- oder physikalische Therapie eine sinnvolle Ergänzung.
So konnte das Schmerzniveau von 7-8 NRS zu Beginn auf 1-2 NRS im weiteren Beobachtungsverlauf gesenkt werden.
Die Beeinflussung der Lebensqualität sollte an hand des PDI (Pain Disablity Index) abgebildet werden. Aufgrund der Neufassung des Deutschen Schmerzfragebogens wurde dieser Parameter durch den BE (Beeinträchtigungsscore) ersetzt: Anhand einer numerischen 10 - Skala wird ab sofort die persönliche Beeinträchtigung - a) beim Ankleiden , Waschen, Essen, Einkaufen-, b) im Familien und Freundeskreis sowie c) die Arbeitsfähigkeit beurteilt . Höchstpunktezahl 30 . Diese Änderung wird im Programm aufgenommen.
59 von 81 Patienten waren mit der Behandlung zufrieden bzw. sehr zufrieden.
Dieses positive Ergebnis hatte allerdings keinen Einfluss auf den Chronifizierungsgrad
Komplikationen
Intraoperativ: In 83 % der Fälle(67 Patienten) verlief der Eingriff komplikationslos. Bei den restlichen Patienten ließ sich in 4 % die Elektrode nur schwierig und zeitaufwendig platzieren, bei weiteren 4 % kam es zu lästigen Kopfschmerzen. In Einzelfällen konnte offensichtlich in Fällen schwieriger Positionierung ein Elektrodendefekt nicht verhindert werden. Ebenfalls einmalig kam es postoperativ zum Auftreten eines Hämatoms, einer Elektrodendiskonnektion oder einer Weichteilinfektion.
Postoperativer Verlauf
Bei 63 von 81 Patienten (76 %) war der postoperative Verlauf ohne Besonderheiten. Bei 18 Patienten war eine besondere Betreuung aufgrund technischer oder lokaler Gewebsreaktionen erforderlich: In 5 Fällen kam es zu einer Erschöpfung der Generatorbatterie, je 2x traten Fremdkörperreaktion, Hämatome oder eine Pneumonie auf und in Einzelfällen wurden eine Über- bzw. Unterdosierung der intrathekalen Medikamentapplikation , eine Elektrodendislokation oder eine therapiebedürftige Obstipation registriert.
Bei den 81 Patienten erfolgten im Beobachtungszeitraum 207 ambulante Nachbehandlungen – im Wesentlichen zur Pumpenauffüllung (61%) sowie zur Programmierung des Stimulations- - oder Pumpensystems.
Fazit:
Das Qualitätssicherungsprogramm des AK Neuromodulation NEMOQM (www. nemoqm.org) hat – wie die vorliegende Pilotuntersuchung zeigt-, seine Funktionalität unter Beweis gestellt und damit seine Feuertaufe bestanden. Ein vergleichbares internetbasiertes Programm ist derzeit nicht verfügbar.
Aus Sicht des AK kann es allen Mitgliedern der DGSS zur Anwendung empfohlen werden. NEMOQM bietet damit die Möglichkeit, erstmals verlässliche Aussagen über Wirkung , Nebenwirkung und Komplikationen neuromodulativer Verfahren zu machen Davon kann die DGSS- aber auch das einzelne Mitglied durch vergleichende Gegenüberstellung der eigenen Daten zum Gesamtkollektiv - profitieren.
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