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Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie"

Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" Weiterbildung „Spezielle Schmerztherapie“, Beschlüsse des 99. Deutschen Ärztetages

Der Deutsche Ärztetag hat am 8. Juni 1996 die folgenden Beschlüsse zur Verbesserung der Schmerztherapie gefaßt, die nachfolgend im Wortlaut wiedergegeben sind:

(1) Einführung von Bereich und Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“

(2) Durchführung von Weiterbildungscurricula zu „Spezielle Schmerztherapie“

(3) Einbeziehung der Schmerztherapie in die Gebietsweiterbildung aller ärztlicher Gebiete

1) Einführung von Bereich und Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“

Definition:

Die Spezielle Schmerztherapie umfaßt die gebietsbezogene Diagnostik und Therapie chronisch schmerzkranker Patienten, bei denen der Schmerz seine Leit- und Warnfunktion verloren und einen selbständigen Krankheitswert erlangt hat.

Weiterbildungszeit:

  • Anerkennung zum Führen einer Gebietsbezeichnung mit Patientenbezug
  • 12monatige ganztägige Weiterbildung an einer Weiterbildungsstätte gem. § 8 Abs. 1 [der Weiterbildungsordnung]
  • Teilnahme an einem von der Ärztekammer anerkannten interdisziplinären Kurs über Schmerztherapie von 80 Stunden Dauer
  • Die Weiterbildung wird mit einer Prüfung abgeschlossen.

Weiterbildungsinhalt:

  • Vermittlung, Erwerb und Nachweis besonderer Kenntnisse und Erfahrungen in der Erhebung einer standardisierten Schmerzanamnese einschließlich der Auswertung von Fremdbefunden
  • der Durchführung einer Schmerzanalyse
  • der gebietsbezogenen differentialdiagnostischen Abklärung der Schmerzkrankheit
  • der eingehenden Beratung des Patienten und der gemeinsamen Festlegung der Therapieziele
  • der Aufstellung eines inhaltlich und zeitlich gestuften Therapieplanes einschließlich der zu dessen Umsetzung erforderlichen interdisziplinären Koordination der Ärzte und sonstigen am Therapieplan zu beteiligenden Personen und Einrichtungen
  • dem gebietsbezogenen Einsatz schmerztherapeutischer Verfahren
  • der standardisierten Dokumentation des schmerztherapeutischen Behandlungsverlaufes

2) Durchführung von Weiterbildungscurricula zu „Spezielle Schmerztherapie“

Die Akademien für ärztliche Fortbildung in Deutschland (Gemeinschaftseinrichtungen der verfaßten Ärzteschaft) werden aufgefordert, interdisziplinäre Weiterbildungscurricula zur Diagnostik und Therapie chronisch schmerzkranker Patientinnen und Patienten durchzuführen, gemäß dem Beschluß des 99. Deutschen Ärztetages zur Einführung der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“.

3) Einbeziehung der Schmerztherapie in die Gebietsweiterbildung aller klinischer Gebiete

Die gebietsbezogene allgemeine Schmerztherapie soll analog zur Formulierung in der Gebietsweiterbildung „Anästhesiologie“ in alle klinischen Gebiete aufgenommen werden.

Weiterbildung „Spezielle Schmerztherapie“, Weiterbildungsinhalte

Der Vorstand der Bundesärztekammer hat in seiner Sitzung vom 31.1.1997 die (Muster-) Richtlinien über den Inhalt der Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" zustimmend zur Kenntnis genommen und den Landesärztekammern zur Übernahme empfohlen:

(Muster ) Richtlinien über den Inhalt der Weiterbildung

19. Spezielle Schmerztherapie

1. Erwerb der in der Weiterbildungsordnung aufgeführten Weiterbildungsinhalte.

Hierzu sind nachfolgende Richtzahlen oder Weiterbildungsinhalte nachzuweisen:

1.1. Untersuchungsverfahren und Behandlungsverfahren

  • Erhebung einer standardisierten Schmerzanamnese einschließlich der Auswertung von Fremdbefunden bei 100 Patienten
  • Durchführung der Schmerzanalyse einschließlich der gebietsbezogenen differentialdiagnostischen Abklärung der Schmerzkrankheiten bei 100 Patienten
  • eingehende Beratung und gemeinsame Festlegung der Therapieziele bei 100 Patienten
  • Aufstellung eines inhaltlich und zeitlich gestuften Therapieplanes einschließlich der zur Umsetzung des Therapieplanes erforderlichen interdisziplinären Koordination der Ärzte und sonstigen am Therapieplan zu beteiligenden Personen und Einrichtungen bei 50 Patienten
  • standardisierte Dokumentation des schmerztherapeutischen Behandlungsverlaufes bei 50 Patienten
  • medikamentöse Therapie über Kurzzeit, Langzeit und als Dauertherapie sowie in der terminalen Behandlungsphase bei jeweils 25 Patienten

Selbständig durchgeführter gebietsbezogener Einsatz schmerztherapeutischer Verfahren für Gebiete mit konservativen Weiterbildungsinhalten: 

  • Entzugsbehandlung bei Medikamentenabhängigkeit bei 20 Patienten
  • spezifische Pharmakotherapie bei 50 Patienten
  • spezifische psychosomatische und übende Verfahren bei 25 Patienten
  • diagnostische und therapeutische Lokal und Leitungsanästhesie bei 200 Patienten
  • Stimulationstechniken, z.B. TENS, bei 50 Patienten
  • spezifische Verfahren der manuellen Diagnostik und physikalischen Therapie bei 50 Patienten 

Selbständig durchgeführter gebietsbezogener Einsatz schmerztherapeutischer Verfahren für Gebiete mit operativen Weiterbildungsinhalten:

  • spezifische Pharmakotherapie bei 50 Patienten
  • diagnostische und therapeutische Lokal und Leitungsanästhesie bei 200 Patienten
  • Stimulationstechniken, z.B. TENS, bei 50 Patienten
  • Denervationsverfahren und/oder augmentative Verfahren (z.B. Neurolyse, zentrale Stimulation) bei 20 Patienten
  • spezifische Verfahren der manuellen Diagnostik und physikalischen Therapie bei 50 Patienten 

Selbständig durchgeführter gebietsbezogener Einsatz schmerztherapeutischer Verfahren für Gebiete mit konservativ-interventionellen Weiterbildungsinhalten:

  • spezifische Pharmakotherapie bei 50 Patienten
  • diagnostische und therapeutische Lokal und Leitungsanästhesie bei 200 Patienten
  • Stimulationstechniken, z.B. TENS, bei 50 Patienten
  • Plexus und rückenmarknahe Analgesien bei 50 Patienten
  • Sympathikusblockaden bei 50 Patienten
  • spezifische Verfahren der manuellen Diagnostik und physikalischen Therapie bei 50 Patienten
  • Ergebnis einer Befragung der Landesärztekammern zur „Speziellen Schmerztherapie“ 

Die Aus- und Weiterbildungskommission hat im Juli/August 1998 eine Befragung der Landesärztekammern durchgeführt. Angeschrieben wurden alle 18 LÄK und um die Bearbeitung eines Fragebogens gebeten. Geantwortet haben 13 LÄK. Hiervon hatten 8 die Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ bereits eingeführt. Bei 4 weiteren sind die Vorbereitungen so weit fortgeschritten, daß mit der Einführung im Laufe des nächsten Jahres gerechnet wird. Bayern lehnt die Einführung vor wie nach ab.

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