• Mitglied werden

      Als Mitglied der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. haben Sie viele Vorteile. Informieren Sie sich hier.

    18.05.2009

    Versorgung von Schmerzpatienten in Gefahr

    Presseinformation der Koalition gegen den Schmerz

    Ein erheblicher Anteil der chronisch kranken Schmerzpatienten in Deutschland erhält keine adäquate Schmerztherapie. Eine ausreichende Anzahl von gut ausgebildeten Schmerztherapeuten fehlt. Um die Schmerztherapie heute und in Zukunft zu optimieren und um die Folgen aktueller gesundheitspolitischer Entwicklungen für chronische Schmerzpatienten aufzuzeigen, haben sich sieben mit der Therapie chronischer Schmerzen befasste Fachverbände und Patientenorganisationen zur „Koalition gegen den Schmerz“ zusammengeschlossen. Die Fachgesellschaften und Patientenorgani¬sationen, vertreten durch ihre Präsidenten, kritisierten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin, dass die Diagnose, Therapie und langfristige Versorgung von Schmerzpatienten nicht nach optimalen organisatorischen und wissenschaftlichen Voraussetzungen geregelt sind. „Die bisher schon prekäre Versorgungssituation chronisch Schmerzkranker verschärft sich dadurch weiter“, warnte Dr. Marianne Koch, Präsidentin der Deutschen Schmerzliga e.V. Um das zu verhindern, möchte die Koalition ihre gebündelte Fachkompetenz politischen Entscheidern und Kostenträgern zur Verfügung stellen und verwies auf drei Hauptprobleme, die die Schmerztherapie zurzeit stark beeinträchtigen: Die aktuellen Folgen des morbiditätsbezogenen Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA), die Austauschpflicht und die Defizite in der Ärzteausbildung.

    Morbi-RSA: Schmerzkrankheit nicht gelistet

    Chronische Schmerzen zählen zu den teuersten Krankheiten im deutschen Gesundheitssystem. Trotz ihrer Häufigkeit und Kostenrelevanz ist die chronische Schmerzkrankheit im Morbi-RSA nicht unter den 80 Krankheitsgruppen aufgeführt, die eine erhöhte finanzielle Zuweisung bewirken. Es besteht die Gefahr, dass chronische Schmerzpatienten zu teuren und daher von den gesetzlichen Krankenkassen ungeliebten Patienten werden. „Die chronische Schmerzkrankheit muss als eigenständiges Krankheitsbild in die Liste des Morbi-RSA aufgenommen werden“, fordert daher Dr. Reinhard Thoma, Präsident des Berufsverbandes der Schmerztherapeuten in Deutschland (BVSD), im Namen der „Koalition gegen den Schmerz“. Nur so werde verhindert, dass Schmerzpatienten durch das Raster des Verteilungssystems der Krankenkassen fallen. Man solle laut Thoma aber – gerade vor dem Hintergrund einer möglichen Verhinderung von Chronifizierung – mit pauschalen Forderungen vorsichtig sein, um damit Präventionsanreize nicht zu unterbinden.

    Austauschpflicht: Risiken für Schmerzpatienten

    Chronisch Schmerzkranke benötigen zur optimalen Linderung ihrer Schmerzen häufig stark wirksame Opioide. Aufgrund der Austauschpflicht müssen auch Opioide durch den Apotheker gegen ein wirkstoffgleiches rabattiertes oder preisgünstigeres Präparat ausgetauscht werden, wenn der Arzt dies durch Setzen des sogenannten „Aut-idem“-Kreuzes nicht ausdrücklich untersagt. Und das, obwohl diese spezielle Substanzklasse der besonderen Sorgfalt der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung unterliegt. Die Austauschpflicht birgt nach Aussage von Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS), zahlreiche Risiken für die Gesundheit des Patienten und letztlich auch für den Arzt. Denn zwischen den Opioiden bestehen große Unterschiede in deren Wirkung, selbst bei gleichem Wirkstoff und gleicher Dosis. Dies kann zu stärkeren Schmerzen oder Nebenwirkungen führen und dadurch bewirken, dass Patienten die Therapie abbrechen. Die „Koalition gegen den Schmerz“ fordert daher, dass diese Schmerzmedikamente der WHO-Stufe III aus der automatischen Austauschpflicht nach § 129 SGB V heraus genommen werden. Sie sollten vom Apotheker nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt ausgetauscht werden dürfen.

    Schmerztherapie und Palliativmedizin: Stiefkinder der Approbationsordnung

    Eine weitere Forderung der Koalition ist die feste Verankerung von Schmerztherapie und Palliativmedizin in der Ausbildungsordnung für Ärzte. Denn die aktuelle Approbationsordnung für Ärzte hat beide Bereiche nicht als Pflichtlehr- und Prüfungsfach vorgesehen, erklärte Professor Rolf-Detlef Treede, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS). Um hier eine Veränderung herbeizuführen, wurden Kerncurricula zur Schmerztherapie und Palliativmedizin für die Lehre verabschiedet und bereits an einigen Fakultäten in der Praxis erprobt. Dr. Werner Steinleitner, Präsident der Interdisziplinären Gesellschaft für orthopädische und unfallchirurgische Schmerztherapie (IGOST) appellierte an die Ärzteschaft, die Weiterbildungsangebote der Fachgesellschaften stärker zu nutzen, da die Relevanz von chronischen Schmerzen im ärztlichen Alltag zugenommen habe. Wolfram-Arnim Candidus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP), verwies auf Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Durch die Mangel- und Fehlversorgung chronischer Schmerzpatienten ist diese Würde jedoch immens beeinträchtigt“. Ein Zustand, der für die Fachgesellschaften und Patientenorganisationen nicht hinnehmbar ist, so dass die „Koalition gegen den Schmerz“ für die rasche Umsetzung ihrer Forderungen plädiert.

    Quelle:
    Pressekonferenz „Gesundheitspolitisches Frühstück der Koalition gegen den Schmerz“, am 12. Mai 2009, Berlin

    Herausgeber: Koalition gegen den Schmerz

    Pressekontakt:
    Dorothea Küsters Life Science Communications GmbH
    Sabine Kreusch, Petra Wollburg, Leimenrode 29, 60322 Frankfurt
    T: 069/ 61 998-14, T: 069/ 61 998-23, F: 069 / 61 998-10
    kreusch@dkcommunications.de, wollburg@dkcommunications.d

    Koalition gegen den Schmerz:
    Dr. med. Reinhard Thoma, Präsident des Berufsverbandes der Schmerztherapeuten in Deutschland (BVSD)
    Prof. Dr. med. Eberhard Klaschik,
    Altpräsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP)
    Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. (DGS)
    Prof. Dr. med. Rolf-Detlef Treede, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS)
    Wolfram-Arnim Candidus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP)
    Dr. med. Marianne Koch, Präsidentin der Deutschen Schmerzliga e.V. (DSL)
    Dr. med. Werner Steinleitner, Präsident der Interdisziplinären Gesellschaft für orthopädische und unfallchirurgische Schmerztherapie e.V. (IGOST)