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    08.10.2009

    Schmerzverarbeitung verrät Parkinson-Gen

    Förderpreise für Schmerzforschung an Kieler Forscher verliehen

    Menschen mit genetischer Parkinson-Veranlagung verarbeiten Schmerzreize anders als Andere: Ihre Schmerzschwelle für mechanische und Druckreize liegt höher. Diese Unterschiede lassen sich auch schon vor dem Auftreten erster Symptome feststellen. So lassen sich verschiedene Parkinson-Formen voneinander unterscheiden. Das konnten Kieler und Lübecker Forscher um Dr. Janne Gierthmühlen nachweisen. Beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin wurden sie dafür mit dem mit 1.750 Euro dotierten zweiten Preis der Kategorie Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2009 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

    Parkinson-Patienten leiden häufig an Schmerzen

    Neben den Hauptsymptomen wie Steifheit und Schüttellähmung plagen Parkinson-Patienten auch häufig Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Schmerzen. Kürzlich wurden Mutationen in mehreren Genen (PARKIN und PINK1) als Ursache eines früh beginnenden Parkinson-Syndroms identifiziert. Genträger haben ein höheres Risiko an Parkinson zu erkranken. Von Untersuchungen dieser Personengruppen erhofft sich die Medizin den Nachweis von Vorzeichen der Parkinsonerkrankung, die bereits vor den ersten Symptomen auftreten und eine frühzeitige Behandlung ermöglichen. Die Kieler und Lübecker Forscher untersuchten daher je 14 Genträger und gesunde Kontrollpersonen mit mehreren sensorischen Tests.

    Genträger nehmen mechanische Reize schlechter wahr

    Es zeigte sich, dass PINK1-Mutationsträger mechanische Reize schlechter wahrnehmen und erst stärkere mechanische und Druckreize als schmerzhaft empfinden als gesunde Menschen. Die Genträger wiesen also eine verringerte Sensibilität auf, unabhängig davon, ob sie schon Parkinson-Symptome zeigten oder nicht. Die Funktion peripherer Nerven zeigte sich neurographisch unauffällig und Vibrationen spürten PINK1-Mutationsträger ähnlich wie andere Menschen. „Wir vermuten deswegen, dass es sich um eine zentrale Verarbeitungsstörung handelt, die auf der Ebene des Rückenmarks und Gehirn begründet ist, und nicht in den peripheren Nerven“, erklärt Dr. Janne Gierthmühlen. Bei Parkinson-Patienten ohne Genmutation (nicht-klassifiziert) sind die Reizverarbeitungsmuster anders: Sie berichten etwa über eine stärkere Hitzeempfindlichkeit der Haut. „Das könnte bedeuten, dass das durch die entsprechenden Mutationen bedingte Parkinson-Syndrom sich anders äußert und sich so klinisch von anderen Parkinsonformen unterscheiden lässt“, so die Forscher.

    Kontakt

    Dr. Janne Gierthmühlen, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Institut für Neuroradiologie, Sektion für Neurologische Schmerzforschung und -therapie der Klinik für Neurologie, Tel. 0431/597-4806, j.gierthmuehlen@neurorad.uni-kiel.de