Neurochirurgische Schmerzbehandlung

Schmerzen durch eingeklemmte Nerven lassen sich gut und risikoarm durch einen neurochirurgischen Eingriff behandeln. Entscheidend für den Erfolg ist eine sorgfältige Voruntersuchung.

Wann werden neurochirurgische Verfahren eingesetzt?

Karpaltunnel-Syndrom

Bei diesem Schmerzsyndrom ist der Mittelnerv im Handgelenksbereich eingeengt und verursacht Schmerzen, vor allem nachts, sowie ein störendes Kribbeln. Die neurochirurgische Freilegung dieses Nervs führt zu einer sehr schnellen Verbesserung der Beschwerden; der Schmerz verschwindet ohne weitere medikamentöse Therapie direkt nach dem Eingriff. Seltener sind andere Nerven betroffen, die sich mit ähnlich gutem Erfolg freilegen lassen.

Akuter Bandscheibenvorfall

Bei einem akuten, also plötzlich aufgetretenen, großen Bandscheibenvorfall mit deutlichen Lähmungserscheinungen wird der Nerv von einer Vorwölbung der Bandscheibe im Wirbelsäulenbereich gequetscht (▶ Abschn. 2.3, Abb. 2.3). Durch eine frühzeitige Entlastung des Nervs lassen die Beschwerden rasch nach und die Nervenausfälle bilden sich zurück.

Trigeminusneuralgie

Dieses Schmerzsyndrom entsteht häufig durch eine Kompression (Einengung) des Gesichtsnervs durch eine Gefäßschlinge im Kopf. Die operative Therapie führt bei klaren Symptomen und klarer Indikation (Berechtigung zur Durchführung einer Maßnahme) zu einer sofortigen Rückbildung des Schmerzsyndroms. Durch die verbesserten Anästhesieverfahren ist dieser Eingriff heute auch bei älteren Patienten (unter Umständen auch über 75 Jahre) mit gutem Erfolg und geringen Risiken durchführbar. Die medikamentöse Therapie dieser Schmerzen ist dagegen schwierig und wird von Nebenwirkungen begleitet.

 

Palliativmedizin

Tumoren, z.B. Metastasen in der Nähe von Rückenmarksnerven, können Lähmungen oder Schmerzen verursachen. Manchmal können sie durch eine Operation gelindert werden, auch wenn eine Heilung des Patienten nicht mehr möglich ist. Es ist wichtig, die Entscheidung für solche Eingriffe im Gespräch mit dem behandelnden Palliativmediziner und Onkologen (Krebsspezialisten) festzulegen. Insgesamt sind Komplikationen bei diesen neurochirurgischen Eingriffen selten. Der Blutverlust ist gering und das Operationsrisiko niedrig.

Schmerzschrittmacher

Die eigentliche neurochirurgische Schmerztherapie chronischer Schmerzen, bei denen man die Ursache nicht behandeln kann, beschränkt sich in den letzten Jahren auf Verfahren, die den Schmerz lindern. In solchen Fällen wird die Operation nicht als primäre (zuerst durchgeführte) Schmerztherapie angewandt, sondern als gezielte Maßnahme im Rahmen eines von verschiedenen Fachexperten abgestimmten Gesamtbehandlungskonzepts, das in einer sogenannten „interdisziplinären Schmerzkonferenz“ erarbeitet wird. In diesen Fällen werden Medikamentenpumpen oder „Schmerzschrittmacher“ implantiert. Sogar medikamentös schlecht behandelbare Schmerzen lassen sich so mit einem geringen Operationsrisiko beeinflussen.

Wichtig

Die Therapie der Durchtrennung von Nerven oder Schädigung von Nerven durch Medikamente oder Strahlen (Ablation) führt nur zu einem kurzzeitigen Erfolg und kann sogar stärkere Schmerzen im Verlauf hervorrufen.

Ablative Verfahren

Hierbei werden Nerven mittels Medikamenten oder Strahlen durchtrennt oder verödet. Dies führt aber meist zu einem nur kurzzeitigen Erfolg. Nach einer kurzzeitigen Besserung kommt es oftmals zum gegenteiligen Effekt: Ein Schmerzsyndrom (neuropathische Schmerzen), das sogar den ursprünglichen Schmerz in seiner Stärke übertreffen kann und sich noch schlechter behandeln lässt, ist eine mögliche Folge. Deswegen wird diese therapeutische Möglichkeit in der letzten Zeit nur in Ausnahmefällen in der Palliativmedizin (Krebsbehandlung) angewendet.

Autor: Hans-Joachim Hoff