Entspannungstherapie

Heute sind Entspannungsverfahren aus der Behandlung von Patienten, die unter chronischen Schmerzen leiden, nicht mehr wegzudenken. In nahezu jeder Einrichtung, die Schmerzkranken eine multimodale Behandlung anbietet, und bei fast jedem niedergelassenen Psychotherapeuten gehört mindestens ein Entspannungsverfahren routinemäßig zur Behandlung.

                                      „Du kannst zwar die Wellen nicht aufhalten,

                                        aber du kannst lernen, sie zu reiten.“

                                                 Yogi Swami Satschitananda

Als zusätzlicher Therapiebaustein bei chronischen Schmerzen können Entspannungsverfahren den Behandlungserfolg beschleunigen oder festigen (◉ Abb. 5.7).


Übrigens

Alle Entspannungsverfahren verbessern die Selbstkontrolle des Patienten über seine körperlichen Zustände und mindern so das Gefühl, dem Schmerz ausgeliefert zu sein.

Wie helfen Entspannungsverfahren?

Alle Entspannungsverfahren verbessern die Selbstkontrolle des Patienten über seine körperlichen Zustände und mindern so das Gefühl, dem Schmerz ausgeliefert zu sein.
Außerdem lernt der Patient, sich auf das eigene Erleben zu konzentrieren. Das hilft dabei, störende Außenreize zu ignorieren und eigene Bedürfnisse besser wahrzunehmen.
Alle Entspannungsverfahren führen zu einer Entspannungsreaktion und damit einer körperlichen und seelischen Beruhigung. Insbesondere bei chronischen Schmerzen lässt sich so der Teufelskreis aus Schmerzen und ansteigender Muskelspannung durchbrechen. Ziel aller Entspannungsverfahren ist ein verbessertes emotionales und körperliches Wohlbefinden.

Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PM)

Dieses bekannte Verfahren beruht auf einer willentlichen, aufeinanderfolgenden Anspannung einzelner Muskelgruppen mit nachfolgend bewusstem Loslassen. Während der Übung konzentrieren sich die Teilnehmer auf die jeweils von dem Therapeuten angegebene Muskelgruppe, spannen sie gerade spürbar für etwa zehn Sekunden an und versuchen, diese Anspannung bewusst wahrzunehmen. Danach wird die jeweilige Muskelgruppe bewusst entspannt, wobei die Teilnehmer erneut versuchen, den Unterschied wahrzunehmen.


Autogenes Training (AT)

Das Autogene Training ist wie die Progressive Muskelentspannung ein sogenanntes übendes Verfahren, wobei es sich um eine Selbstentspannung mit Hilfe der Konzentration handelt. Anders als bei der progressiven Muskelentspannung „tut“ der Patient hier nichts aktiv mit dem Körper, sondern er soll durch Lenkung seiner Aufmerksamkeit bestimmte Empfindungen des Körpers wahrnehmen bzw. sich vorstellen (z.B. „Mein rechter Arm wird schwer und warm“). Damit bewirkt er eine Verringerung der Muskelspannung (Schwere) und eine Verstärkung der Durchblutung (Wärme).

Imaginative Verfahren

Imaginative Verfahren nutzen das menschliche Vorstellungsvermögen, um spontan auftretende und bewusst herbeigeführte innere Bilder therapeutisch wirken zu lassen. Patienten können so lernen, mithilfe ihrer inneren Bilder ihre Schmerzen zu reduzieren bzw. die Belastung durch den Schmerz zu verringern. Zumeist kommen sogenannte Fantasiereisen zur Anwendung, in denen sich die Patienten beispielsweise einen Spaziergang über eine Waldlichtung oder am Strand entlang vorstellen und die damit verbundenen angenehmen Empfindungen wahrnehmen (▶ Abschn. 5.3.1).


Achtsamkeit und Meditation

In jüngerer Zeit halten Achtsamkeitsübungen und Meditation zunehmend Einzug in die Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzerkrankungen. Ihren Ursprung haben meditative Verfahren in religiösen Übungen, die der Erweiterung des Bewusstseins dienen sollen. Achtsamkeitsbasierte Meditationsübungen können Schmerzpatienten helfen, ihren körperlichen Zustand besser zu akzeptieren, um so wieder mehr Energie und Kraft für Aktivitäten oder den Genuss der für sie persönlich bedeutsamen Dinge aufzubringen (▶ Abschn. 5.2.6).

Übrigens

Entspannungsverfahren sind gegen chronische Schmerzen sehr gut wirksam – was auch wissenschaftlich untersucht und belegt ist.


Autor: Bernhard Klasen